Die wichtigste neue Nachricht für Bankkundinnen und Bankkunden ist langfristig – und deshalb gerade jetzt relevant: Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht FINMA fordert Schweizer Finanzinstitute auf, sich frühzeitig auf Verschlüsselung vorzubereiten, die auch gegen künftig leistungsfähige Quantencomputer standhält. Eine am 9. Juli 2026 veröffentlichte Umfrage bei 60 beaufsichtigten Instituten zeigt: Das Risiko ist bekannt, doch konkrete Vorbereitungen sind vielerorts noch nicht weit fortgeschritten. (finma.ch)
Für private E-Banking-Nutzerinnen und -Nutzer folgt daraus kein Anlass, die Bank zu wechseln, Guthaben umzuschichten oder auf eine angeblich «quantensichere» App zu warten. Kryptografisch relevante Quantencomputer existieren laut FINMA heute noch nicht. Die Behörde beschreibt vielmehr eine Vorsorgeaufgabe für Banken, Versicherer, Vermögensverwalter und Finanzmarktinfrastrukturen. (finma.ch)
Die neue FINMA-Vorgabe: planen statt abwarten
Quantencomputer könnten künftig bestimmte heute verbreitete Verschlüsselungsverfahren angreifen. Besonders heikel ist das Szenario «harvest now, decrypt later»: Angreifer könnten verschlüsselte Daten bereits heute abgreifen, um sie später mit leistungsfähigeren Rechnern zu entschlüsseln. Deshalb sollen Institute Daten und Prozesse mit langfristigem Schutzbedarf priorisieren. (finma.ch)
| FINMA-Ergebnis | Was es bedeutet | Einordnung für Private |
|---|---|---|
| 60 Schweizer Finanzinstitute wurden befragt. | Die Umfrage erfasst Banken, Versicherer, Verwalter von Kollektivvermögen und Finanzmarktinfrastrukturen. | Sie ist ein Lagebild der Aufsicht, keine Bewertung einzelner Banken. |
| 72 Prozent hatten noch keine konkreten Massnahmen geplant oder getroffen. | Viele Institute beobachten die Entwicklung, ohne bereits ein Umsetzungsprojekt zu führen. | Das ist kein Hinweis auf ein aktuelles Problem beim persönlichen E-Banking. |
| Nur 8 Prozent verfügten über eine konkrete Roadmap. | Die Umstellung ist technisch komplex und hängt auch von Software- und Cloud-Anbietern ab. | Die Verantwortung für diese Migration liegt bei den Instituten, nicht bei ihren Kundinnen und Kunden. |
| Die FINMA legt eine Roadmap bis spätestens Mitte 2027 nahe. | Die Aufsicht erwartet eine strategische Vorbereitung mit Prioritäten und Zeitplan. | Es handelt sich um eine aufsichtsrechtliche Erwartung an Institute – nicht um eine neue Frist für Bankkunden. |
Quelle: FINMA-Aufsichtsmitteilung 05/2026, 9. Juli 2026. (finma.ch)
Für Ihr E-Banking ändert sich heute nichts
Die FINMA-Mitteilung betrifft die technische Infrastruktur im Hintergrund: Verschlüsselung bei Datenübertragungen, gespeicherte Daten, digitale Signaturen, Schlüsselverwaltung und Authentisierung. Sie verlangt nicht, dass Privatpersonen neue Passwörter erfinden oder ihr E-Banking anders bedienen. Aus der Mitteilung folgt auch keine Aussage, wonach eine bestimmte Schweizer Bank heute unsicher wäre. (finma.ch)
Die zeitliche Unsicherheit ist gross. Rund zwei Drittel der befragten Institute rechnen zwar damit, innerhalb von sieben Jahren direkt von Cyberrisiken durch Quantencomputer betroffen zu sein. Das ist jedoch eine Einschätzung der Befragten, keine Prognose der FINMA. Die Aufsicht hält ausdrücklich fest, dass erhebliche Unsicherheiten über den Zeitpunkt kryptografisch relevanter Quantencomputer bestehen. (finma.ch)
Der konkrete Nutzen: Schutz vor dem Risiko von heute
Während Banken ihre Infrastruktur auf künftige Kryptografie vorbereiten müssen, zielen die häufigsten Angriffe auf eine viel einfachere Schwachstelle: Menschen unter Zeitdruck. Das Bundesamt für Cybersicherheit warnt vor E-Banking-Phishing, bei dem sich Täter als Bank oder Sicherheitsabteilung ausgeben, Fernzugriff verlangen oder Bestätigungscodes abfangen. Selbst eine Zwei-Faktor-Authentisierung schützt nicht, wenn ein Code auf einer gefälschten Seite oder auf Aufforderung eines Betrügers bestätigt wird. (ncsc.admin.ch)
- Öffnen Sie E-Banking nur über die bekannte App oder die selbst eingegebene Webadresse. Links aus SMS, E-Mails oder Werbeanzeigen sind kein geeigneter Einstieg.
- Beenden Sie unerwartete Sicherheitsanrufe. Rufen Sie Ihre Bank anschliessend über die Nummer auf der offiziellen Website, Ihrer Karte oder Ihren Unterlagen zurück – nie über eine Nummer aus der Nachricht oder vom Anrufer.
- Installieren Sie auf Aufforderung niemandes Fernzugriffssoftware. Eine angebliche Kontosperre oder verdächtige Zahlung ist kein Grund, einem unbekannten Gesprächspartner Zugriff auf Computer oder Smartphone zu geben.
- Prüfen Sie jede Zahlungsfreigabe. Ein Code oder eine Push-Bestätigung darf nur zu einer Transaktion gehören, die Sie selbst unmittelbar ausgelöst haben.
- Handeln Sie bei einem Fehltritt sofort. Wurden Login- oder Kartendaten preisgegeben, kontaktieren Sie Bank oder Kartenherausgeber unverzüglich; bei einem Passwort ändern Sie dieses sofort und überall dort, wo es nochmals verwendet wurde.
Diese Punkte sind keine technische Antwort auf Quantencomputer. Sie senken aber das Risiko, das im Alltag tatsächlich plötzlich zu einem finanziellen Schaden führen kann. Das Bundesamt für Cybersicherheit empfiehlt zudem, Zwei-Faktor-Authentisierung dort zu aktivieren, wo sie verfügbar ist, und für jeden Dienst ein separates, starkes Passwort zu verwenden. (ncsc.admin.ch)
Was offen bleibt
Die FINMA veröffentlicht keine Rangliste zur Quanten-Readiness einzelner Institute. Kundinnen und Kunden können daher aus der Aufsichtsmitteilung weder auf die Sicherheitslage ihrer eigenen Bank noch auf einen konkreten Zeitpunkt einer technischen Umstellung schliessen. Die Umfrage beruht zudem auf Antworten von 60 Instituten zwischen November 2025 und Januar 2026. (finma.ch)
Offen ist auch, welche technischen Standards sich endgültig durchsetzen. Die FINMA empfiehlt den Instituten unter anderem, ihre Systeme so auszurichten, dass Verschlüsselungsalgorithmen künftig flexibel ersetzt werden können. Diese «Kryptoagilität» ist ein Architekturthema – kein neues Anlage- oder Konsumentscheidungskriterium für Private. (finma.ch)
Fazit
Die FINMA setzt ein wichtiges Signal: Schweizer Finanzinstitute sollen die Verschlüsselung ihrer kritischen Systeme nicht erst dann umbauen, wenn leistungsfähige Quantencomputer verfügbar sind. Für Privatpersonen ist die ruhige Konsequenz klar. Keine hektische Reaktion, kein Produktwechsel und keine Spekulation über Techniktrends. Wer sein Konto heute schützen will, nutzt offizielle Zugänge, prüft Freigaben und reagiert auf angebliche Sicherheitsanrufe konsequent über die bekannten Kanäle. Mehr dazu: Benzin und Diesel bis Ende Juli verfügbar: Was Haushalte jetzt wissen müssen.
Transparenz: Dieser Beitrag enthält keine Produktvergleiche, keine Anlageempfehlung und keine Provisionen.
Quellen
- FINMA: Aufsichtsmitteilung zu Quantum Computing, 9. Juli 2026.
- FINMA: Aufsichtsmitteilung 05/2026 «Quantum Computing», 9. Juli 2026.
- Bundesamt für Cybersicherheit: E-Banking-Phishing, 13. April 2026.
- Bundesamt für Cybersicherheit: Phishing, Vishing, Smishing.

