Solaranlagen: Warum die Rechnung für Eigentümer wichtiger wird

Solaranlagen: Warum die Rechnung für Eigentümer wichtiger wird

Der Schweizer Markt für neue Solaranlagen hat 2025 erstmals seit Jahren deutlich nachgelassen: Verkauft wurde Photovoltaikleistung von 1’280 Megawatt, nach 1’810 Megawatt im Vorjahr. Das entspricht einem Rückgang von 29,3 Prozent. Für Wohneigentümerinnen und Wohneigentümer ist das keine Aufforderung, ein Projekt aufzuschieben. Es ist aber ein klares Signal: Die Wirtschaftlichkeit einer Anlage lässt sich nicht mehr seriös mit einer pauschalen Amortisationszahl beurteilen. (srf.ch)

Die vom Bundesamt für Energie publizierte Statistik zeigt gleichzeitig, dass Solarstrom im Schweizer System weiter an Gewicht gewinnt: Ende 2025 lag die installierte Photovoltaikleistung bei rund 9,5 Gigawatt. Die Anlagen produzierten knapp 7,95 Terawattstunden Strom. Der Bestand wächst also weiter – nur die Nachfrage nach neuen Anlagen hat sich deutlich abgekühlt. (pubdb.bfe.admin.ch)

Der Rückgang ist kein Urteil über das eigene Dach

Aus den Marktdaten lässt sich nicht ableiten, ob sich eine konkrete Anlage lohnt. Sie sagen weder etwas über den Zustand des Dachs noch über den Stromverbrauch eines Haushalts, den lokalen Netzbetreiber oder die Einmalvergütung aus. Sie zeigen jedoch, dass sich die Rahmenbedingungen verschieben: An sonnigen Mittagen trifft immer mehr Solarstrom gleichzeitig auf das Netz. Damit wird der selbst genutzte Strom wirtschaftlich wichtiger als eine möglichst hohe Einspeisemenge. Mehr dazu: Säule 3a: 2025er-Lücke lässt sich jetzt erstmals nachzahlen.

Kennzahl für 2025 Was sie zeigt Was sie nicht beweist
1’280 MW verkaufte PV-Leistung Der Absatz lag 29,3 Prozent unter 2024. Ob ein einzelnes Angebot zu teuer oder unrentabel ist.
Rund 9,5 GW installierte Leistung Der bestehende Schweizer Solarpark wächst weiter. Dass jede zusätzliche Anlage gleich viel wert ist wie frühere Projekte.
Knapp 7,95 TWh Solarproduktion Solarstrom deckte 2025 laut SRF-Einordnung 13,7 Prozent des Endverbrauchs. Wie hoch die persönliche Stromrechnung nach einer Installation sinkt.

Der Branchenverband Swissolar sieht im Rückgang ein Zeichen für einen wandelnden Strommarkt und Unsicherheit bei der Energiepolitik. Unabhängig von dieser Einschätzung ist der finanzielle Kern klar: Wer Solarstrom zeitlich passend selbst verbraucht, reduziert den Bezug aus dem Netz. Wer viel gleichzeitig einspeist, ist stärker vom jeweiligen Rückliefertarif abhängig. (srf.ch)

Warum sich die Rechnung für Eigentümer verschiebt

Wohnhäuser in der Schweiz mit Photovoltaikanlagen auf den Dächern.
Bei neuen Solaranlagen wird der Eigenverbrauch wirtschaftlich wichtiger als eine möglichst hohe Einspeisung.

Der Bundesrat hat die Regeln zur Abnahmevergütung angepasst. Ab dem 1. Januar 2027 soll bei fehlender Vereinbarung zwischen Netzbetreiber und Produzent der Marktpreis zum Zeitpunkt der Einspeisung massgebend sein. Für kleine Anlagen unter 150 Kilowatt bleibt ein Schutz über Minimalvergütungen bestehen; dieser wirkt jedoch über den Referenzmarktpreis und nicht als fixer Mindestbetrag für jede einzelne eingespeiste Kilowattstunde. (bkb.admin.ch)

Das macht die Planung anspruchsvoller, aber nicht beliebig. Entscheidend ist, wie viel Strom im Haushalt zeitgleich anfällt: etwa für Wärmepumpe, Elektroauto, Boiler oder andere steuerbare Verbraucher. Ein Batteriespeicher kann den Eigenverbrauch erhöhen und Mittagsspitzen verschieben. Die Verkäufe und Installationen von Heimspeichern stiegen 2025 laut der aktuellen Erhebung um mehr als 70 Prozent. Daraus folgt allerdings nicht automatisch, dass ein Speicher in jedem Haus wirtschaftlich ist. Seine Kosten, nutzbare Kapazität, Garantie und das reale Verbrauchsprofil müssen separat gerechnet werden. (srf.ch)

Vier Punkte vor dem Entscheid

  1. Verbrauch statt Quadratmeter zuerst analysieren: Jahresverbrauch allein genügt nicht. Relevant ist, wann Strom im Haus gebraucht wird.
  2. Rückliefertarif schriftlich einordnen: Beim lokalen Netzbetreiber nach der aktuellen Vergütung, möglichen Vertragsmodellen und der Umsetzung ab 2027 fragen.
  3. Förderung und Gesamtpreis sauber trennen: Die Einmalvergütung ist ein Beitrag, nicht der Kaufpreis. Bund und Kantone fördern je nach Anlage unterschiedlich; für kleine Anlagen sieht der Bund Einmalvergütungen vor. (bfe.admin.ch)
  4. Speicher als eigene Investition prüfen: Nicht mit der PV-Anlage in eine einzige Amortisationszahl pressen. Ohne nachvollziehbare Annahmen zu Stromverbrauch und Einspeisung bleibt die Rechnung zu grob.

Was jetzt offen bleibt

Die Statistik erklärt nicht abschliessend, weshalb der Absatz 2025 eingebrochen ist. Denkbar sind unter anderem veränderte Strompreise, Unsicherheit über Vergütungen, Engpässe beim Netzanschluss oder eine normalisierte Nachfrage nach den starken Vorjahren. Für Haushalte bleibt deshalb der nüchterne Schluss: Der Solarmarkt wird selektiver. Ein gutes Dach kann weiterhin eine sinnvolle Investition sein – aber die Qualität der individuellen Rechnung entscheidet stärker als die allgemeine Stimmung im Markt.

Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlage-, Steuer- oder Energieberatung und enthält keine Produktempfehlung.

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